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Trauma, Traumavererbung, Interview, Traumatherapie

Was ist Trauma?

Die Modezeitschrift MODE:13 hat mich im Juni 2021 zum Thema Trauma und Traumavererbung interviewt. Hier kannst Du Auszüge aus dem Interview lesen.

Sarah Nemelka, Emotionale Unabhängigkeit, Wachstum

Emotionale Unabhängigkeit

Wann bin ich emotional abhängig? Und gibt es diese überhaupt? Hier erfährst Du über emotionale Unabhängkeit und warum und wann diese möglich ist.

Emotionale erste Hilfe, kohärentes Atmen, AtemübungEmotionale erste Hilfe, kohärentes Atmen, Atemübung

Emotionale erste Hilfe

Wenn es uns gefühlsmäßig schlecht geht, dann wissen wir oft nicht was tun. Hier kannst Du Dir kostenlos einen Leitfaden für eine Atemübung downloaden, die Dir hilft, Dich zu regulieren.

Blog

Im Laufe meiner Arbeit begegne ich immer wieder Themen, die mich so fesseln, dass ich hier in meinem Blog Dir mehr davon erzählen möchte.

Hier die Überschriften der Blog-Beiträge, unter dem + kannst Du den Text lesen.
Viel Spaß damit.

Der Grinch - Warum wir so leiden (Februar 2021)

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Nach Weihnachten habe ich mit meinem Sohn Theo den Film „Der Grinch“ angeschaut. Ich möchte hier keine Werbung für diesen Kinderfilm machen, sondern Euch teilhaben lassen, wie ich den Film aus Augen einer Psychologin betrachte und was er mir gezeigt hat. Der amerikanische Film hat eine interessante Weise, unsere innerpsychischen Vorgänge und die Auswirkungen auf unser Verhalten zu zeigen, die ich für Euch heute etwas genauer beleuchten möchte, da sie so viel von meiner Arbeit erklärt.

Zumindest konnte ich nach dem Film meinem 6-jährigen Sohn zum ersten Mal verständlich erklären, was ich mache, wenn ich sage, ich gehe arbeiten. :-)

Der Plot des Films:
Eine grüne Kreatur, Grinch genannt, haust allein in einer Höhle in einem Berg, hasst Weihnachten, hasst, was Freude macht und hasst die Bewohner des nahe gelegenen Städtchens Whoville. In dem Städtchen lebt ein kleines Mädchen, die von dem ganzen (kapitalistischen) Weihnachtsstress der Bewohner genervt ist und irgendetwas vermisst. Sie interessiert sich für den Grinch, da der so ausgestoßen wird und so schrecklich sein will. Sie sieht in ihm etwas, das die anderen nicht sehen oder lässt sich zumindest von seiner garstigen und fiesen Art nicht abschrecken. Um nicht zu viel zu spoilern: sie versucht den Grinch zu erreichen und ihn wieder in die Stadt zu integrieren, was natürlich entsprechend schwierig ist.
Aber darum geht es mir gar nicht, sondern was mich an diesem für mich wirklich schrägen Film so fasziniert hat, war die einfache Symbolik und damit die Erklärung, warum der Grinch so böse ist und warum er immer weiter böse sein muss:

Dies ist die Symbolik des Herzens. Dem Grinch ist sehr daran gelegen, möglichst böse zu sein und viel Unfug zu treiben, so dass man ihn wirklich nur verabscheuen kann. Nachdem er wieder besondern böse war und fies gelacht hat, schaut er mit einem Röntgengerät sein Herz an, ob es auch ja noch klein ist. In der Filmeinstellung sieht man das rote Herz und dahinter Spinnweben, die verdeutlichen, wie unbenutzt dieses Herz ist. Als er das sieht, nimmt er sich vor, dieses vertrocknete Herz auch ja nicht größer werden zu lassen. Und dazu muss er immer weiter böse sein. Damit er ja nicht berührt werden kann.

Das Mädchen macht sich auf den Weg um nachzuforschen, warum der Grinch eigentlich so böse ist. Er hat ein Trauma in der Kindheit erlebt: in der Schule war er schon immer anders als die anderen, wurde gehänselt und war in die Schönste der Klasse verliebt! Zu Weihnachten wichteln sie und er macht für seine Liebste ein für ihn wunderschönes Geschenk, worüber die anderen aber nur lachen und ihn verspotten. Dies tut dem Grinch so weh, dass er sich schwört, nie wieder Liebe und Freude in sein Herz ziehen zu lassen. Auch für sich selbst kann der Grinch nichts mehr empfinden, er verschließt sich allem.

Ist das nicht eine treffende Symbolik? Und kennen wir das nicht alle, wenn wir vor allem sogar vor uns selbst verschlossen sind?

Ich lade Dich ein, kurz inne zu halten und nach innen zu schauen. Überprüfe, wie zugänglich Dein Herz gerade für Weichheit, Liebe, Verbundenhei und Zärtlichkeit ist. Ohne es zu werten, einfach überprüfen, wie ist es jetzt gerade, während Du das liest?

Ist das Erreichen und Öffnen unseres Herzen nicht das eigentliche Ziel? Unsere Traumen der Vergangenheit soweit anzuschauen und zu integrieren, dass unser Herz wieder wachsen darf und wir wieder lieben können und die schmerzhaften Gefühle nicht wegdrücken und abspalten müssen. Das ist nämlich der fachmännische Ausdruck dafür, wenn ein früheres für uns überforderndes Erlebnis aus unserem Bewußtsein verdrängt wird und wir keinen Zugriff mehr darauf haben. Unsere Psyche schützt uns davor, dass uns wir nochmal so eine innere Verletzung fühlen müssen. Dann sind wir so damit beschäftigt, uns vor allem vor anderen Personen zu schützen, können nicht mehr vertrauen, öffnen uns nur schwierig und verhindern gleichzeitig, dass wir schöne Begegnungen mit uns selbst und anderen haben.

Der Weg aus diesem Teufelskreis ist zu Erforschen, warum wir uns schützen müssen, was für eine verletztende Erfahrung dahinter liegt.

Nach dem Film, fragte mich mein Sohn, warum der Grinch so ein kleines Herz hatte? Daraufhin konnte ich ihm erklären, dass wenn wir verletzt oder enttäuscht werden, uns zurückziehen und daher auch nicht mehr die Möglichkeit haben, eine anderen Erfahrung zu machen. Und ich war froh, dass ich ihm erklären konnte: wenn ich arbeiten gehe und mit Menschen arbeite, helfe ich Ihnen, dass ihr Herz spüren und es wachsen kann und sie somit zu sich und der Welt liebevoller sein können.

Sarah Nemelka - Februar 2021

"Michaela prallt an die Wand" - Thema Blockaden erkennen (Juli 2020)

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Michaela war eine Frau Mitte 40 und hatte zwei Söhne (14 und 9 Jahre alt). Sie war eine lebendige Frau, unternehmungslustig und die meiste Zeit ihres Tages war sie damit beschäftigt, die Erziehung, ihren Job, die Partnerschaft und die Aufrechterhaltung der Freundschaften unter einen Hut zu bekommen. Sie hatte das Gefühl, sie hatte alles ganz gut im Griff, die Woche war gut geplant, für alle Bedürfnisse wurde ihrer Meinung nach gut gesorgt. Sie hätte das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu haben, da alles gut funktionierte. Es durfte halt nur nichts dazwischenkommen! 

Was könnte passieren? Zum Beispiel, dass ihr größerer Sohn nicht so mitmachen wollte, wie sie sich das vorstellte. Er war gerade dabei, selbst Bedürfnisse und eigene Ideen zu äußern, wollte immer etwas anderes und plötzlich verlor Michaela das Gefühl, alles im Griff zu haben. Sie merkte, dass sie sich mehr und mehr mit ihrem Sohn stritt, rastete jedes Mal aus, hatte Wutanfälle und schrie, auch wenn sie das gar nicht wollte:  So hatte sie sich noch nicht erlebt und das machte ihr wirklich Angst. 

Ihre Gefühlswelt kam so durcheinander bei diesen Streitereien, sie verlor die Beherrschung und die Kontrolle, die ihr doch sonst so gut behilflich waren! In diesen Situationen konnte sie nicht mehr klar denken. Auch wenn sie sich jeweils nach dem letzten Streit vornahm, nicht mehr so zu reagieren:  Es war wie ein Sog, wie ein Automatismus, sie verlor immer wieder die Kontrolle. 

In dieser Situation steckte sie fest, es änderte sich scheinbar nichts mehr: im Gegenteil es schien täglich mehr zu eskalieren und sie merkte, dass in ihr etwas wirkt, das sie nicht kontrollieren konnte. Sie konnte sich ihr Verhalten selbst nicht erklären, was ihr wirklich Angst machte. 

Und plötzlich formte sich in ihr eine Frage. Die Frage, warum sie sich selbst eigentlich so verhielt. Warum? Es formulierte sich in ihr eine Frage und sie sprach diese Frage laut für sich aus: „Warum drehe ich im Streit mit meinem Sohn so durch?“. Ja das war es! Sie bemerkte immer mehr, dass sie sich das selbst nicht erklären konnte, dabei war sie es doch selbst. Sie war bis jetzt in dem Glauben gewesen, dass sie über sich ganz gut Bescheid wisse, sie hatte viel über sich nachgedacht, doch nun merkte sie, dass da noch anderen Ebenen waren, von denen sie keine Ahnung hatte!

Bis jetzt hatte sie sich mit den Anderen beschäftigt, doch nun weckte sich Neugierde in ihr, sie wollte mehr über sich herausfinden. Natürlich war ihr auch mulmig bei dem Gedanken, dass sie da vielleicht etwas von sich erfahren würde, was sie nicht wissen wollte. Aber da die Situation so unerträglich war, entschied sie sich, ihrer Frage auf den Grund zu gehen.

 „Warum drehe ich beim Streit mit meinem Sohn so durch?“. Immer wieder stellte sie sich selbst die Frage und merkte, dass allein kurz bei sich inne zu halten, neu für sie war. 

Sie konnte sich nun von einer anderen Position betrachten, sie war in einer Beobachter- Position und konnte aus dieser Perspektive erkennen, dass bei diesem Thema etwas ganz tief verborgen, unbewusst, vergraben lag, was anscheinend im Streit mit ihrem Sohn ausgelöst wurde.


Sie hatte von dieser Aufstellungsmethode nach dem Anliegensatz gehört, bei dem man eine Frage oder Satz bildet und dieses Thema mit Begleitung in einer Sitzung anschauen und bearbeiten kann. Bis jetzt konnte sie sich nicht vorstellen, warum man das machen sollte, warum sie einen anderen Menschen brauchen sollte, um ihre Dinge zu lösen, sie hatte doch immer alles selbst geschafft. Doch nun fand sie es ansprechend. Gerade das Setting, dass es möglich war, sich einem Thema auf einer anderen Ebene zu nähern, ohne einen längeren Therapieprozess anzufangen, bei dem sie wöchentlich zu einer Sitzung musste. 

Sie hatte nun so einen Satz und war bereit, herauszufinden, was sie im Kontakt mit ihrem Sohn so behinderte und blockierte. Sie rief bei der Psychologin Sarah Nemelka an und machte einen Termin für ein telefonisches Vorgespräch aus. Der erste Schritt war getan und es fühlte sich gut an. Sie begann für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Sarah Nemelka - Juli 2020

Die Panik vor dem Virus (März 2020)

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Viel ist derzeit zu lesen über das Coronavirus und der Panik davor. Manche halten Hamsterkäufe, Reisewarnungen und Schulschließungen für übertrieben oder gar für lächerlich. Doch das trifft es nicht ganz: Menschen die Angst haben und sich, wie diffus und teilweise auch egoistisch sie sich zu schützen versuchen, wollen erst einmal nur eines:
ihr Überleben sichern. 

Grundsätzlich ist Angst sinnvoll für Menschen und auch, dass diese Furcht z.B. innerhalb einer “Herde” ansteckend ist und zu Panik wird. Denn so sind alle immer auf dem gleichen Stand, woher die Gefahr droht und können entsprechend reagieren.

Nun also die Angst vor einem Virus:  Ist diese Gefahr wirklich oder wird ein Angstgefühl ausgelöst, das eigentlich von altem Erlebten stammt? 

Was steckt hinter dieser Angst eigentlich konkret? Erst einmal viele Nachrichten und die Tatsache, dass wir es mit etwas bisher Unbekanntem zu tun haben. Denn: Ungewissheit befeuert unsere Angst, da wir nicht einschätzen können, ob es nun gefährlich ist oder nicht. Diese ungewissen Ängste sind meist eine Mischung aus Angst vor dem Tod, vor einem Verlust, vor Liebesentzug, vor dem Nicht-Dazugehören! Das eine oder andere Thema kennt jeder von uns wahrscheinlich nur zu gut. Und: Ungewissheit löst in uns ein Gefühl von Unkontrollierbarkeit aus und damit ein Gefühl von Hilflosigkeit.

Nun empfinden wir Viren an sich schon als unsichtbare Gefahr, da setzt der Corona Virus dem Ganzen noch die Krone auf, in dem am Anfang der Berichterstattung meist nur von einem „Killervirus“ die Rede war, also dem Virus, der zum Tode führt. Kaum war der Dorn der Angst in uns gesät, war es schwierig, dieser Angst Herr zu werden, da wir nun nicht mehr unterscheiden konnten: gibt es jetzt eine echte Gefahr oder wird ein altes Angstgefühl wieder getriggert? 

Fühlt sich das nicht an wie ein frühkindlicher Kontrollverlust, wenn wir etwas Übermächtigem hilflos ausgeliefert sind? Übersprungshandlungen wie das Horten von Klopapier bieten leider wenig echten Schutz gegen Corona. Sie sind eher ein Versuch aus der kindlichen Ohnmacht heraus zu agieren, „groß statt klein“ zu sein und scheinbar selbstbestimmt das Geschehen in die Hand zu nehmen. Der Hilflosigkeit etwas entgegensetzen.

Wir wiedererleben in der jetzigen Situation Traumagefühle aus der Kindheit. Dass das mit einem Virus, der uns von einem westchinesischen Lebendtiermarkt über Norditalien kommend, seit ein paar Wochen meist lediglich medial verfolgt, in der Realität aber zum Glück gar nicht so nah ist, dürfte uns instinktiv allen klar sein: Wir leben in den mit Abstand sichersten Zeiten überhaupt und können es uns – in der großen Mehrheit - leisten 24/7 an unseren Überlebensstrategien oder genauer gesagt: „Am Erhalt und der Pflege unserer Strategien zur Verdrängung des Gefühls einer frühkindlichen Verlassenheit“ zu arbeiten.

Fragen wir uns doch einmal alle vor unseren nächsten Übersprungshandlungen: Handle ich aus einer aktuellen Gefahr heraus oder sitzt dieses Angstgefühl tief in mir von früher und bestimmt mich heute noch immer?

Ich hoffe es werden sich in den nächsten Wochen bzw. so lange uns dieses Virus noch beschäftigt ein paar mehr Menschen klar werden, wie kindliche Ohnmacht, Traumaerlebnisse und gefühlte Verlassenheit unsere Handlungen bis heute bestimmen und wir trotzdem immer ausreichend Toilettenpapier im Haus haben.

Prüft nach und bleibt gesund!

Sarah Nemelka - März 2020

Meine Arbeit auf den Beziehungsebenen (Februar 2020)

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Ich habe mich lange gefragt, wie ich meine Arbeit in kurzen Worten beschreiben und treffend erklären kann. Mit wem arbeite ich und was ist mein Schwerpunkt?
Mit der von mir verwendeten Aufstellungsmethode mit dem Anliegensatz arbeite ich mit Menschen, die körperlich erkrankt sind, die psychische Probleme haben, die Schwierigkeiten im Job haben oder die in der Partnerschaft unglücklich sind oder keine haben.
Was ist also das Kernthema, das immer wieder auftaucht?
 
Das Oberthema, das für mich über allem steht ist: Probleme auf der BEZIEHUNGSEBENE! Egal welche Themen uns aktuell in unserem Leben beeinträchtigen oder stolpern lassen, wir sind immer auf der Beziehungsebene gefordert. Unsere erste Beziehungserfahrung machen wir, wenn wir auf die Welt kommen. Unsere Mutter ist und bleibt unsere erste Bindungsperson und der Kontakt und die Art und Weise, mit der unsere Mutter uns begegnet ist, ist der Grundstein für unsere Beziehungsfähigkeit.
Somit ist immer die grundlegende Frage: WAS haben wir erlebt und WIE haben wir es erlebt?
 
Ich gebe Dir ein Beispiel: Wie fühlt sich für dich Nähe an? Willst Du am liebsten immer ganz nah mit anderen sein (vielleicht auch manchmal zu nah, so dass Du dich selbst dann gar nicht mehr so gut wahrnehmen kannst?). Oder brauchst Du eher lange um Nähe überhaupt zulassen zu können, da sie für dich körperlich mehr Stress erzeugt?
Dies ist für uns alle unterschiedlich und wenn wir uns darüber bewußt werden, welche Beziehungserfahrungen wir wirklich gemacht haben, können wir auch neue und bisher unbekannte Formen neu erlernen und zulassen und können Beziehungen, egal zu wem oder was, unabhängiger und selbstbestimmer leben!

Du kannst Dich selbst fragen: in welchen Beziehungen fühle ich mich wohl und in welchen nicht! Warum fallen Dir manche leichter als andere? 

von Sarah Nemelka - Februar 2020

Trauma und Umweltschutz - Spaltungsphänomene (September 2019)

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Heute habe ich in einem Beitrag einer Umweltschutzinitiative gelesen: "Die mangelhafte Umsetzung von Umweltschutz hat psychologische Faktoren". Ähm, ja, ist irgendwie logisch, aber wie hängt das zusammen? Das Argument: wir würden die Klimakrise nicht ernst nehmen, da wir so weit davon entfernt sind. Aber liegt es wirklich daran?
In meiner Praxis merke ich immer wieder, wie weit die Menschen von sich Selbst und ihrem eigenen Körper entfernt sind, wie es eine Spaltung zwischen Körper und Gefühlen gibt.

Ein kleiner Exkurs über Spaltung:
Eine Spaltung entsteht als psychische Notfallreaktion, wenn wir uns in einer großen Notlage befinden, also einer Situation, die für uns so überfordernd ist, dass wir als Überlebensfunktion unsere Gefühle abspalten müssen, um nichts mehr zu spüren. Dies ist für uns überlebensnotwendig, da sonst der Körper überreagieren würde und die Situation uns selbst schaden würde. Die abgespaltenen psychischen Anteile bleiben teilweise unser ganzes Leben abgespalten, dirigieren unbewußt unsere Verhaltensweisen und überraschen uns vor allem in Stresssituationen.
Nur wenn wir uns die Situation nochmal in Erinnerung rufen und in uns integrieren, kann es uns gelingen, die abgespalteten Puzzleteile wieder zusammenfügen und so eine Ich-Identität zu entwickeln.
Diese abgespaltenen Gefühle werden im Körper gespeichert. Kommen wir mit unserem Körper in Kontakt, dann kann es leicht sein, dass wir auch die Gefühle der traumatischen Situation wieder spüren. Um dies zu vermeiden, setzten Überlebensstrategien ein, die uns davor beschützen, alte Gefühle nochmal zu spüren, weil diese ja mal lebensbedrohlich waren. Früher waren diese Überlebensanteile sinnvoll, heute ist der Preis für das "Nichtspüren" der, dass wir Teile unseres Körper also auch nicht spüren und uns selbst nicht spüren können  bzw. dürfen.

Was hat das mit Umweltschutz zu tun?
Unser Körper ist wie eine kleine Umwelt für uns, das, was jeden von uns umgibt. Wie gerade beschrieben, gehen wir mit diesem Körper nicht besonders gut um. Wir trinken Alkohol, Rauchen, Essen zu viel oder zu wenig, wollen ihn verändern mit Sport, Diäten oder Tatoos. Wie schwer fällt es uns, für uns selbst Verantwortung zu übernehmen: Für uns selbst, also für unsere kleine Umwelt? Wir sind in unserem Überlebensmodus so beschäftigt: Etwa um unsere Ausbildung, Karriere, Kinder, Familie und Beziehungen zu schaffen. Darüber vernachlässigen wir uns selbst oft am allermeisten. Wie können wir also für die große Erde Verantwortung übernehmen, wenn wir es noch nicht mal bei uns selbst können?
Wie oft höre ich den Satz: "Ich müsste mal mehr Sport machen", "Ich müsste mal wieder etwas unternehmen mit meinem Kind/Partner/Freund" oder "Warum bin ich eigentlich schon wieder krank?". Wenn wir es noch nicht mal schaffen, wichtige Beziehungen zu uns selbst und zu anderen zu pflegen, wie sollen wir uns dann wirklich verändernde Gedanken zu Umweltschutz und unserem Konsumverhalten machen? Da sagen wir dann genauso: "Ich sollte mal ohne Plastik einkaufen" oder "Ich sollte nicht so viel mit dem Auto fahren, aber ich muss ja wegen der Kinder/Arbeit"...

Wir müssen bei bzw. in uns selbst anfangen, zu sehen und zu fühlen, was wir in unserem Leben erlebt haben und wie es uns damit WIRKLICH ging. Wenn wir das machen, dann können wir uns eingestehen, dass wir in unserem Alltag vor allem damit beschäftigt sind, den Anforderungen gerecht zu werden und dem Abarbeiten von To DO Listen hinterherhecheln. Für unsere Wünsche und Raum für uns Selbst ist dabei meist keine Zeit mehr.

Für eine bessere Zukunft brauchen wir eine ehrliche Betrachtung der Dinge ohne etwas schönzureden oder zu verherrlichen.
Sowohl bei uns, wie auch bei der Umwelt.
Dann können wir uns und unsere Erde verändern!

von Sarah Nemelka - September 2019